Tour 1 - Erlebnisbootsfahrt zum Delta der Tiroler Achen


Erleben Sie unter fachkundiger Leitung das "Entstehen und Vergehen des Chiemsees" bei der Fahrt zum Delta der Tiroler Achen, dem besterhaltenen Binnendelta Mitteleuropas.

Von Übersee/Feldwies fährt das Boot "Birgit", eine historische Hafenbarkasse Jahrgang 1924, bis zur Kernzone des Naturschutzgebietes. Von dort aus bietet sich ein einzigartiger Überblick über das gesamte Tiroler Achen Delta mit seinen weit verzweigten Schlamm- und Kiesbänken und dem verästelten System von Haupt-, Seiten- und Altarmen der Tiroler Achen.

Sie erfahren, analysieren und beobachten ein breites Spektrum der Vogel-, Fisch- und Pflanzenwelt, die Delta- und Auwalddynamik und die geologischen und naturkundlichen Zusammenhänge mit der Entwicklung des Deltas in den letzten 500 Jahren. Sie lernen die Welt der Berufsfischerei kennen und vieles mehr.

Deltaentwicklung am Chiemsee
Während vor einigen 10.000 Jahren Gletscher das Land ringsum geformt haben, befinden wir uns in Übersee nur knapp über dem See auf jungem Schwemmboden, der durch die Tiroler Achen, ein Wildfluss, antransportiert und modelliert wurde. Da findet man im Boden Kies und Gesteinsmehl aus den Kitzbühler Alpen.

Das Delta der Tiroler Achen strömt wie Lava in den Chiemsee. Das Material – Kies, Sand, Schlick und Treibholz – kommt von den Kitzbühler Alpen. Jedes Jahr dehnt sich das Delta um die Fläche von 1,5 Fußballfeldern seeeinwärts aus.
Hochwasser am Chiemsee – über Nacht kann die Tiroler Achen von einem harmlosen Schlauchbootfluss zu einem gewaltigen Wildfluss von bis zu 780 m³/sec anschwellen – das sind über 150 LKW-Ladungen Wasser in einer Sekunde. Gewaltige Kräfte werden frei. Wildbäche bringen Treibholz und Geschiebe – Fels, Steine, Sand und Schlamm. Nach dem Hochwasser – das Treibholz liegt wie ein Teppich am Ostufer. Baumstämme – jahrhundertealt landen im Delta – sie können uns einiges erzählen.

Neues Land und Deltaeindrücke
Neues Land – das Kräftemessen zwischen Fluss und See findet seinen Niederschlag im Feinrelief der Sand und Schlickbänke. Nichts ist von Dauer – mit jedem Steigen und Fallen des Chiemsees ordnet sich das Delta neu – aus Riefen werden langgezogene Rücken und aus Buckeln werden Mulden. Ist das "Neue Land" lebensfeindlich, tote Materie?
Je nach Wasserstand verändert sich das Erscheinungsbild – bei Hochwasser ragt nur der Wurzelstock heraus, bei Niedrigwasser wachsen die Schlickbänke zusammen. Ein schneller, ständig wechselnder Lebensraum von kurzer Dauer. Im Hintergrund streckt der Auwald schon seine Wurzeln nach neuem Boden aus. Deltaeindrücke – alles unterliegt der gestaltenden Kraft des Wassers. Wie Knochen in der Wüste reihen sich glattgeschliffene Äste silbrig glänzend aneinander.




Lebensraum Delta
Lebensraum Delta – fruchtbar und schnelllebig, von unseren gefiederten Kosmopoliten sofort erspäht - man trifft sich hier, manche bleiben. Ein "Tischlein Deck Dich", das sich jährlich seewärts verlagert. Das Leben pulsiert, lautes Geschnatter und eifriges Stochern der Wattvögel im schlammigen Untergrund nach eiweisreichem Getier wird nur kurzzeitig respektvoll unterbrochen, wenn sich ein Raubvogel nähert. Im Hintergrund ein Auwald – kaum hundert Jahre alt.

Entstehen und Vergehen des Chiemsees?
War jetzt der See vorher da, oder die Gletscher, und was war vor dem Gletscher da ? ...oder gab´s da auch einen See ? ...und vor diesem See womöglich wieder einen Gletscher ...und sofort ? Aber ...irgendwann gab`s hier doch ein Meer und am Ufer sonnten sich die Saurier ...so ähnlich jedenfalls...? Unsere Landschaft unterliegt einem dynamischen Prozess, der uns auf Grund der Kürze unseres Daseins verborgen bleibt.
Gewaltige Kies- und Schlammfrachten schüttet die Tiroler Achen in den Chiemsee.
Dadurch entsteht neuer Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, eine Seltenheit, denn es gibt kaum noch Deltas, die sich natürlich entwickeln können.
Der Chiemsee vor 12.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit. Der Achentalgletscher gibt den Chiemsee schrittweise frei. Im Vordergrund der geschwungene Auslauf der Oberen Alz, im Hintergrund Hochfelln (links) und Hochgern

Der Rosenheimer – und der Salzburgersee sind bereits verlandet. Wird auch der Chiemsee irgendwann verlanden? Gab es vor der letzten Eiszeit auch schon einen "Chiemsee"?




Mit der Birgit – einer klassischen , historischen Hafenbarkasse, Jahrgang 1924, stechen wir in See.

Hautnah und auf offenem Deck erleben wir auch Wind und Wetter.

An Bord ist immer was los – die Barkasse selbst ist ein Abenteuer mit dem alten, tuckernden Dieselmotor, dem Steuerhaus und den holzbeplankten Bordwänden.

Bis in die 60er Jahre fuhren die Leute auch im Winter über den See damit - auch auf dem offenen Aussendeck!!!

Was gibt's denn da? Ist das Wasser durchsichtig und besteht das nur aus H2O, oder was ist da noch drin ? Wir glauben niemandem und nehmen unsere eigenen Proben – mit dem Planktonnetz.

Probe in die Becherlupe einfüllen... Grobanalyse ...- da ist also doch noch was anderes drin als nur H2O – aber was ist denn das, was da so hüpft... ist das der Pumuckl ?????

Feinanalyse - mit dem Binokular sehen wir etwas mehr – also der Pumuckl ist das nicht, aber genauso lebhaft und furchtbar interessant... was man da so alles sieht... sogar was der/ die – oder ist es ein es – gegessen hat.

Und bis man sich umtut, fliegt da ein ganzer Schwarm schwarzer, fischjagender Kormorane vorbei... schnell das Mikroskop weg und ein Fernglas raus ...

Manche haben so ganz Ihr persönliches Erlebnis . . . mit dem "Gukki" - in die historische Vergangenheit des Chiemseegletschers.

Andere wollen`s ganz genau wissen – wie ist die Temperatur in 40 m Tiefe ?

Ja was ist denn das ? ...gerade eben haben wir festgestellt, dass das Wasser klar und fast farblos ist und jetzt diese grüne Suppe – das sehen wir uns aber im Mikroskop an...

Die Tiefe messen mit dem schweren Senkblei, den Sauerstoffgehalt von ganz unten, das Planktonnetz werfen, Mikroskopieren, – ganz schön was zu tun.

Eine "steife Brise" kann schon mal aufkommen, aber wenn`s dann "gschliffane Haggen reg`nt" dann braucht man schon "a Lederne", sonst geht man besser in die Kajüte unter Deck.

Irgendetwas läuft sicher aus der Reihe – diesmal ging die Isomatte über Bord – aber dank der Navigationskunst unseres Steuermanns ging alles gut ab.

Wir fahren bei fast jedem Wetter – sind wir doch nicht aus Zucker, sondern zäh wie eine Lederhose usw... gerade bei sogenanntem "nicht so schönem Wetter" oder "Sauwetter" erlebt man die eindruckvollsten Stimmungsbilder.

Gemütlicher Ausklang in der Seewirtschaft bei einer geräucherten Chiemseerenke, Schorle und Bier...

Wer mag, schaut sich die "Mitbringsel" noch mal ohne Seegang an.

Seit 2003 steht hier auch unser "Chiemsee-Aquarium" und Instrumentenkammer.


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