Schloss Hartmannsberg bei Bad Endorf

Schloss Hartmannsberg bei Bad Endorf...

Die schmale Landbrücke zwischen Schlosssee und Langbürgner See war seit der Antike eine wichtige Verbindung zwischen dem nördlichen Inntal und dem Chiemseeraum. Schon eine altrömische via als Teil des Staßennetzes zwischen Salzburg (Juvavum) und Augsburg (Augusta Vindelicum) passierte das Seengebiet an dieser Stelle. So bestand hier wohl auch schon seit römischer Zeit eine befestigte Station.

Das erste frühmittelalterliche Kastell wurde vermutlich von einem Chiemgauer Adelsgeschlecht während der Ungarn-Einfälle zwischen 900 und 955 als Fluchtburg errichtet. Der Name Hadamar ist in jenen Jahren für mindestens drei Mitglieder des Geschlechts bezeugt. Und so erscheint auch die Wehranlage in den ältesten Dokumenten noch als "Hadamarsperch" ("Hadamars Herberge"). Ursprünglicher Standort des Burgstalls war die dem heutigen Schloß gegenüberliegende Landzunge im Langbürgner See, die sogenannte Zickenburg. Um 1150 ging diese Burg in den Besitz der Grafen von Falkenstein-Neuburg über. Sie wurde zu deren Herrschafts- und Verwaltungszentrum im Chiemgau. Die 1160 geweihte Burgkapelle St. Jakob diente noch jahrhundertelang den Jakob-Pilgern als Übernachtungs- und Andachtsort.

Nach Verleihung der bayerischen Herzogswürde an das Geschlecht der Wittelsbacher im Jahr 1180 verbündeten sich die Falkensteiner mit den Gegnern der neuen Landesherren. 1244 fiel der letzte regierende Falkensteiner Siboto VI. im offenen Kampf. Im November 1247 zog darauf Herzog Ludwig II. mit großer Heeresmacht vor die noch immer von Parteigängern Sibotos gehaltene Burg Hadamarsperch (Hartmannsberg), eroberte sie und machte die Befestigungen dem Erdboden gleich. Doch wurden sie und die Jakobskapelle von den Wittelsbachern offenbar schon nach kurzer Zeit am heutigen Standort neu errichtet. Im April 1394 gelangte Hartmannsberg samt seinen Ländereien durch Gebietstausch in Lehenbesitz des mächtigen regionalen Adelsgeschlecht der Pienzenauer; in ihrer Obhut verblieb es bis 1766.

Starke Beschädigungen während des Dreißigjährigen Krieges machten um 1680 einen weitgehenden Neubau nötig. Dabei erhielt das Gebäude seine heutige Form, allerdings zunächtst mit zwei Seitenflügeln sowie offenen Arkandengängen an der Seefront. Nachdem Hartmannsberg 1766 durch Heirat an den kurbaierischen Offizier Johann Valtentin Anton Freiherr von Hörl gefallen war, wurden im Zuge weiterer Baumaßnahmen die Arkadengänge geschlossen und der Ostflügel abgerissen.

Im 19. Jahrhundert ging das Schloss in bürgerliche Hände über und diente zeitweise aus Wirtshaus. Zwischen 1909 und 1914 nutzten Leo Putz und seine Malerfreunde Hartmannsberg als Atelier. 1938 erwarb es der Bildhauer Josef Thorak, zugleich wurde die gesamte umliegende Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, als Toteis-Gebiet ein naturhistorisch bedeutendes Relikt der Würm-Eiszeit, zugleich zum ersten Naturschutzgebiet Deutschlands erklärt. Nach Thoraks Tod gelangte die Besitzung 1957 in das Eigentum der Firma Kugelfischer in Schweinfurt und deren Besitzer Dr. h.c. Georg Schäfer, der hier Teile der weltberühmten "Sammlung Schäfer" mit Werken des Leibl-Kreises und der Münchner Schule aufbewahrte.

1994 gelang es dem Landkreis Rosenheim, das Schloss sowie das gesamte umliegende Areal zu erwerben und damit zugleich das Naturschutzgebiet fast vollständig in öffentlichen Besitz zu überführen. Schloss Hartmannsberg dient seither als Kulturstätte des Landkreises mit regelmäßigen Ausstellungen und Kammerkonzerten.

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