Das Schloss und die Geschichte immerhin 1000 Jahre alt.

Die Geschichte des Edelsitzes

Das Schloss Grabenstätt und seine Herrschaft

Schloss Grabenstätt, das sich heute dem Betrachter bietet, lässt kaum eine 1000jährige Tradition vermuten. Hinter der breiten Toreinfahrt, im Schatten einer gewaltigen Blutbuche, gleicht es eher einem Gutsherrensitz als einem Schloss, mit dem sich unwillkürlich Vorstellungen von Wehrhaftigkeit oder auch äußerem Prunk verbinden. Und doch kennzeichnen beide Attribute die Vorgänger des heutigen Hauses.

Von der frühmittelalterlichen Wehrburg, dem festen Sitz der Grafen von Grabenstätt, sind uns weder Spuren noch Hinweise erhalten geblieben. Wir können nur ahnen, wie reich und imponierend ihr Äußeres gewesen sein muss, wenn die Söhne dieses Hauses zu Markgrafen der Steiermark, oder die Gräfin Sophia zur Herrin von Burghausen aufstiegen.

Anders verhält es sich mit dem barocken Prunkbau, der um die Wende zum 17. Jahrhundert entstand. Aus der "Beschreibung des Churfürsten- und Herzogtums Ober- und Nider Bayrn", München 1701, sind zwei Kupferstiche Michael Wenings erhalten geblieben, die uns eine sehr deutliche Vorstellung des "neuen" Edelsitzes vermitteln. Zwei Steinzeichnungen von Johann Baptist Dilger ergänzen durch eine Gegenüberstellung "vor und nach dem großen Brand vom Jahre 1834" die weitere Verwandlung ,deren vorläufigen Abschluss schließlich eine Fotomontage von der "Schlossbrauerei Grabenstätt" (um 1890) festhält.

Das Schloss besaß ein wertvolles, um 1800 sachkundig geordnetes Hausarchiv. Josef Wagner, der Nestor unter den Heimatforschen des Chiemgaus, verbrachte in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts viele Stunden darin, um aus alten Pergamenten, Urkunden, Akten und Hofbüchern ein Stück Grabenstätter Vergangenheit und Schlossgeschichte wieder lebendig zu machen. Wir müssen diese Tat wie ein "Geschenk" empfinden; denn kaum ein Jahrzehnt nachdem Wagner "das Schloss-Archiv, das reich an Pergament-Urkunden gewesen, excerpiert hat, und zur Hofmarks- und Pfarrgeschichte getreu benützt", wurde es lieblos vernichtet. Die wertvollsten Stücke wurden an Trödler verkauft, und der Rest zerstob in Flammen und Wind.

Und dies ist die Geschichte des Hauses, der Hofmark und ihrer Besitzer, zu der uns Wagners Feder verhalf:

Die Originalurkunden des Pfarr- und Schlossarchivs beginnen mit dem Jahre 1402. Nach der Hofmarksbeschreibung von 1606 ist davon auszugehen, dass die Edlen von Mauer über das Mittelalter hin Eigentümer waren.

Gelegentlich heißt es sogar "Grabenstätt, sonst in der Maur genannt". Die Herren von Mur, Maur oder auch Mauer, wohlhabende Siedeherren zu Reichenhall, können sehr wohl schon beizeiten das Gut Grabenstätt vom Erzbischof von Salzburg zu Lehen genommen haben.

In den Jahren 1405 und 1418 erscheint ein Jorig von Grabenstätt. 1445 und 1450 tritt ein Gabriel Griesenauer als Urkundszeuge auf. Inhaber des Sitzes Grabenstätt wurde nach Gabriel Griesenauer sein Sohn Balthasar.

Aus Balthasar Griesenauers Ehe ging eine Tochter hervor. Sie ehelichte 1498 den "Edel und Vesten Wolfgang aus der Mauer". Aber auch diesem Paar blieb männlicher Nachwuchs versagt. Die dritte Tochter, Magdalena, verband sich mit Wilhelm Widerspacher zu Finsing und Sonnen.

Wilhelm Widerspacher und seine Frau Magdalena erhielten, da Vater Wolfgang von der Mauer noch eine Schwester Catharina zu versorgen hatte, nur den vierten Teil des Grabenstätter Erbsitzes. Im Laufe der Jahre jedoch kaufte das Ehepaar Widerspacher die Erbteile der übrigen Verwandten und noch weitere Güter hinzu. Wilhelm Widerspacher war gewandt und einflussreich. Er hatte lange Jahre das Fischmeisteramt in Frauen-Chiemsee inne. Nach dem Tode seiner Frau Magdalena (1554) ging er eine zweite Ehe mit Magdalena von Thalheim ein. Er starb am 16. Oktober 1584. Seine zweite Ehefrau folgte ihm am 20. Dezember 1595. Bereits am 29. November 1973 erscheint Widerspachers Sohn Sebastian – aus erster Ehe - als Pflegeverwalter bis zum Jahre 1595. Diese 22jährige einträgliche Verwaltungstätigkeit lieferte ihm den Grundstock zu einem beachtlichen Vermögen, das noch durch elterlichen Erbteil und durch seine Ehe mit Catharina Ritzin von Prinzenstein zu Grueb ehelichte vermehrt wurde. Nach außen hin verlieh er seinem Wohlstand sichtbaren Glanz, indem er das "neue Schloss Grabenstätt" nach seinen Vorstellungen erbauen ließ.

Sebastian Widerspachers Todesjahr dürfte zwischen 1611 und 1613 liegen. Die Anniversarien der Pfarrei bezeugen – ohne Jahreszahl – die Stiftung eines Jahrtages für ihn und seine Ehefrau. Er hinterließ zwei Söhne: Georg Wilhelm und Ludwig. Letzterer wurde der Nachfolger seines Vaters in Grabenstätt. Er heiratete Maria Jakobe Reichwein von Montepaur (Montabaur), die aber nach wenigen Ehejahren 1648 zu Grafing starb. Ludwig Widerspachers zweite Ehefrau wurde Anna Margaretha von Roß zu Adelholzen. Sie muss um 1653 ihr Lebensende erreicht haben. Bereits 1655 geht Widerspacher eine dritte Ehe mit Veronika Gräfin zu Scherenberg ein, welche ihn am 19. August 1958 mit der Geburt eines Sohnes Johann Ludwig den Erben beschied. Aber auch ihr Eheband war kurz bemessen. Als sie am 1. Juni 1660 starb, hinterließ sie einen leidgeprüften Ehemann, der in einem beachtenswerten Testament – im Gedanken an den eigenen Tod – seinen "Letzten Willen" festlegte. – Dennoch vermählte er sich zum vierten Mal und zwar mit Maria Franziska von Gözengrien. Eine Tochter aus dieser Ehe, Maria Eva Theresia, starb nach 14 Wochen am 6. Oktober 1662. Im selben Jahr ließ Widerspacher den Choraltar in der St. Johanniskirche neu herrichten, malen und mit seinem wie mit den Wappen seiner vier Frauen auf einzelnen Schildchen zieren. Am 03. August 1664 fügte er seinem Testament ein Codicil mit den nötigen Abänderungen bei und scheint bald darauf gestorben zu sein.

Der Erbe Johann Ludwig Widerspacher war beim Tode des Vaters noch unmündig. In den Jahren zwischen 1677 und 1680 ehelichte er Maria Catharina Freiin von Rechlingen auf Emsburg und Mülheim, die ihm vier Kinder gebar.

Um 1682 ließ Johann Ludwig das Schloss Grabenstätt erweitern und eine Schlosskapelle erbauen.

Als Kammerherr seiner Churfürstlichen Durchlaucht in Bayern starb der letzte Widerspacher Schlossherr am 20. Februar 1706 in Grabenstätt, wo er auch beigesetzt wurde. Von seiner Gemahlin finden sich weder Nachrichten noch Grabmal.

Die einzige Tochter im Hause Widerspach, Maria Anna Catharina, heiratete mit 18 Jahren Franz Anton von Eching, Freiherrn von Palzheim zu Groß- und Klein-Khörz. Ungeachtet des reichlichen Einkommens war auch ihre Ehe nicht glücklich. Nach Ausweis der Sterbematrikel zwischen 1706 und 1740 verloren sie alle ihre Kinder durch den Tod. Als auch noch der Ehemann starb, verkaufte die Witwe (1740) erste Teile ihres Besitzes.

Sie blieb jedoch Hofmark-Inhaberin bis zum Jahre 1752. Davon zeugt eine Inschrift auf ihrem Grabstein in der Maximilianskirche.

Aus einer Urkunde vom Jahre 1753 geht der Name der neuen Hofmarksbesitzer hervor. Es waren dies Josef Ferdinand Graf zu Rheinstein und Tattenbach, Herr zu Grabenstätt und Neugereut, Kammerherr und seine Gattin Philippina, Reichsgräfin zu Rheinstein und Tattenbach, geb. Gräfin von Fugger und Zünenberg. Laut Cession zu München, den 12. August 1801, überließ Graf Josef Ferdinand die Hofmark Grabenstätt und den Edelsitz Neugereut seinem legitimen Sohn Max Josef Mayrhofen als Schenkung. Unter dem 16. November 1808 suchte er um Anerkennung seines Adels nach. Ein Jahr später wurde er immatrikuliert.

Im Jahr 1803 wurden die Hofmarksrechte von Grabenstätt aufgehoben:

1818 übernahm der Sohn Josef Ferdinand von Mayerhofen den gesamten Besitz von seinem Vater. Durch die große Feuersbrunst vom Jahre 1834 wurde das Grabenstätter Schloss, das damals noch von Wasser und Wällen umgeben war und vier Türmchen als Zierde hatte, weitgehend in Asche gelegt.

Dennoch ließ der bayerische Major von Mayerhofen gleich wieder Hand anlegen. Der zerstörte Schlossbau wurde restauriert, und zusätzlich entstand auch hier (nach dem Vorbild von Niedernfels) ein beachtliches Bräuhaus mit Bierkeller.

Leider entsprachen die Erträge dieses Ökonomie- und Bräuwesens nicht den erwarteten Hoffnungen. So vertauschte schließlich der Besitzer das gesamte Grabenstätter Anwesen gegen den Post- und Gastwirtschaftsbetrieb im Markte Teisendorf, wodurch Philipp Fürst, der bisherige Posthalter und Gastwirt von Teisendorf, Besitzer der hiesigen ehemaligen Hofmark wurde.

Drei Jahre nach dem zweiten großen Brand vom Jahre 1862 veräußerte Philipp Fürst seinen Grabenstätter Besitz an eine Familie Bayer.

1866 wurde Baron Ludwig von Finster Eigentümer. Mit seinem Namen als Gründer bleiben die Geschichte der Grabenstätter Feuerwehr und des Schützenvereins Grabenstätt aufs engste verbunden.

Im Jahre 1878 ging von ihm das Schlossgut Grabenstätt an den Prinzen Leopold von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg über, dessen Nachkommen, die gräfliche Familie von Löwenstein-Scharffeneck, besaßen und bewohnten es bis zum Jahre 1894.

1894 wurde Franz Xaver Mayer aus Wasserburg Besitzer von Schloss Grabenstätt und der dazugehörigen Schlossbrauerei.

1909 übernahm noch der Sohn Franz Mayer den Betrieb. Der Wirtschaftsbetrieb erlebte zunächst einen beachtlichen Aufschwung, doch dann - mit Beginn des Ersten Weltkrieges - zugleich auch seinen endgültigen Niedergang.

1914 wurde der Lastkraftwagen der Schlossbrauerei für militärische Zwecke eingezogen. Der Brauerei verblieben nur vier Pferde und 10 Ochsen, um nicht weniger als 59 Gaststätten im Umkreis zu versorgen. Die Schlossbrauerei wurde 1918 abgerissen. Ihr Bierkontingent übernahm die Auerbräu Rosenheim. Die Ziegelsteine des Bräuhauses wurden zum Aufbau der Gaststätte "Zum Schroffen" in Bad Reichenhall verwendet. Das Schloss stand nun einige Zeit leer. Es diente als Kinderheim.

1919 wurde das Schloss Grabenstätt von dem Schriftsteller Hans Withalm aus Hohenaschau erworben. 1921 folgte die Familie Constanz Leonhardi als Eigentümer. 1922 kaufte der niederländische Generalkonsul Hendrik Knottenbelt mit seiner Familie das Schloss.

1924 wurde noch der Ruhrtalsperrverein Essen Eigentümer, ehe im selben Jahr Schloss Grabenstätt wieder herrschaftlicher Besitz im eigentlichen Sinne des Wortes wurde. Der auf Schloss Melschede in Westfalen ansässige Baron Clemens Freiherr von Wrede erwarb das Anwesen.

Seine Ehefrau, Baronin Elisabeth Emma Freifrau von Wrede, geb. Hagen, lebte bis zu ihrem Tode im Jahre 1979 als Ehrenbürgerin der Gemeinde im historischen Haus. Von ihr ging viel Segen und Hilfe für Grabenstätt aus.

Im Jahre 1946 übernahm der Sohn, Baron Clemens Carl Freiherr von Wrede, mit seiner Ehefrau, Alice Freifrau von Wrede, geb. Freiin von Schottenburg-Reichmannsdorf, den Besitz.

1982 schließlich kaufte die Gemeinde Grabenstätt unter 1. Bürgermeister Max Huber das Schloss. Es wurde zum Rathaus mit Fremdenverkehrsräumlichkeiten (Haus des Gastes) umgebaut und von der Gemeindeverwaltung Ende Dezember 1995 bezogen.

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